Glossar
Selektiver Rückbau
Beim selektiven Rückbau werden Baustoffe schon beim Ausbau getrennt. Was die Reihenfolge bringt, welche Fraktionen anfallen und was die Verordnung verlangt.
Selektiver Rückbau heißt, die Baustoffe schon beim Ausbau zu trennen, statt sie hinterher aus einem Haufen zu sortieren. Der Begriff steht für eine Reihenfolge, nicht für eine Technik.
Die Reihenfolge
- Schadstoffe zuerst. Asbest, alte Mineralwolle, teerhaltige Stoffe, Altöl. Getrennt verpackt, getrennt gefahren.
- Wertstoffe. Metall, Kabel, Heizungsanlagen, Elektrogeräte. Alles, was einen Erlös bringt.
- Ausbaustoffe. Bodenbeläge, Türen, Fenster, Trockenbau, Dämmung, jede Fraktion für sich.
- Konstruktion. Erst jetzt der Bagger, und der Bauschutt ist sortenrein.
Wird diese Reihenfolge eingehalten, bleibt am Ende nur ein kleiner Rest Mischabfall übrig.
Die üblichen Fraktionen
Auf einer normalen Baustelle sind es vier bis sechs: mineralische Stoffe, Holz, Metall, Gips, Dämmstoff und ein Restcontainer. Bei größeren Objekten kommen Kunststoff, Glas und Bitumen dazu.
Jede Fraktion hat einen eigenen Verwertungsweg und einen eigenen Preis. Sauberer Betonbruch wird zu Recyclingschotter, Altholz zu Spanplatten oder Brennstoff, Metall geht in die Schmelze.
Warum die Rechnung meist niedriger ist
Auf der Baustelle kostet selektiver Rückbau mehr Zeit. Den Ausschlag gibt aber die Entsorgung, und dort liegen zwischen sortenreinem Material und Baumischabfall deutliche Preisunterschiede. Rechnet man die Metallerlöse gegen, dreht sich die Gesamtrechnung in den meisten Projekten.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein einziger aufgerissener Sack Mineralwolle im Betoncontainer hebt die ganze Fuhre in eine andere Preisklasse. Die Sorgfalt beim Tragen ist damit der wirtschaftlichste Teil der Arbeit.
Was die Verordnung verlangt
Die Gewerbeabfallverordnung schreibt die Getrenntsammlung vor, soweit sie technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist. Entscheidend ist der Zusatz, dass vermeidbare Kosten nicht als Argument gegen die Zumutbarkeit gelten. Wer erst mischt, kann sich nicht auf die teure Nachsortierung berufen.
Dokumentiert wird über Wiege- und Lieferscheine, Fotos und die Bestätigung der Anlage.
Was das für die Baustelle bedeutet
Mehr Container brauchen mehr Platz. Auf engen Grundstücken arbeiten wir deshalb mit weniger Behältern gleichzeitig und tauschen häufiger. Der Zeitplan verschiebt sich nach vorn: Schadstoffprüfung und Demontage brauchen Vorlauf, dafür geht der eigentliche Abbruch am Ende schneller.
Ausführlich im Beitrag Rückbau statt Abriss.
Wiederverwendung statt Verwertung
Die höchste Stufe ist nicht das Recycling, sondern die Weiternutzung des Bauteils. Alte Ziegel, Dielen, Türen, Beschläge und Balken haben einen Markt, und bei Altbauten oft einen guten.
Das setzt allerdings voraus, dass zerstörungsfrei ausgebaut wird, und das kostet Zeit. Wirtschaftlich ist es dort, wo das Material selbst wertvoll ist, etwa bei Vollholzbalken oder handgestrichenen Ziegeln. Sagen Sie uns bei der Besichtigung, wenn Sie etwas erhalten wollen.
Was sich nicht trennen lässt
Verbundmaterialien sind die Grenze des Verfahrens. Verklebte Dämmung auf Beton, beschichtete Platten, Kunststofffenster mit Stahlkern: Hier ist die Trennung technisch möglich, aber der Aufwand steht in keinem Verhältnis.
In solchen Fällen ist die Gemischtsammlung zulässig, sie muss nur begründet und die Vorbehandlung nachgewiesen werden. Wir halten das im Angebot fest, damit es später nicht als Versäumnis dasteht.
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