Glossar
Künstliche Mineralfasern
Künstliche Mineralfasern aus Dämmungen vor 1996 gelten als krebsverdächtig und sind gefährlicher Abfall. Woran Sie altes Material erkennen und wie es entsorgt wird.
Künstliche Mineralfasern, abgekürzt KMF, sind Dämmstoffe aus Glas- oder Steinwolle. Sie stecken in Dächern, Zwischendecken, Fassaden und an Rohrleitungen. Entscheidend für den Umgang ist das Alter des Materials.
Die Grenze verläuft bei 1996
Ältere Mineralwolle enthält Fasern, die tief in die Lunge gelangen können und dort lange verbleiben. Solche Fasern gelten als krebsverdächtig. Seit Juni 2000 dürfen in Deutschland nur noch biolösliche Fasern verwendet werden, die der Körper wieder abbaut.
Als Faustregel gilt: Material, das vor 1996 eingebaut wurde, ist als alte KMF zu behandeln. Zwischen 1996 und 2000 kommt beides vor. Neuere Produkte tragen den RAL-Gütezeichen-Hinweis oder den Vermerk zur Biolöslichkeit auf der Verpackung, was im eingebauten Zustand allerdings selten noch auffindbar ist.
Woran Sie altes Material erkennen
Sichere Anhaltspunkte gibt es kaum, deshalb wird im Zweifel vom ungünstigeren Fall ausgegangen. Hinweise sind das Baujahr des Gebäudes, gelbliche oder bräunliche Farbe ohne Kennzeichnung und ein stark staubender, spröder Zustand.
Wie bei Asbest gilt: Die Fasern sind mit bloßem Auge nicht zu unterscheiden. Klarheit bringt nur eine Untersuchung im Labor.
Warum der Umgang heikel ist
Solange die Dämmung eingebaut und abgedeckt ist, passiert wenig. Kritisch wird der Ausbau: Beim Herausreißen, Zerschneiden und Zusammendrücken werden große Mengen Fasern frei. Sie setzen sich auf Haut und Schleimhäuten ab und schweben lange in der Luft.
Für Arbeiten mit alten KMF gelten die technischen Regeln für Gefahrstoffe. Vorgeschrieben sind unter anderem Schutzanzug, Atemschutz, staubarme Arbeitsweise und die Abschottung des Bereichs.
Entsorgung
Alte künstliche Mineralfasern sind gefährlicher Abfall. Sie müssen staubdicht verpackt werden, üblich sind spezielle Säcke oder Big Bags, die vor Ort verschlossen und nicht wieder geöffnet werden. Transport und Deponierung erfolgen getrennt.
Das Material ist leicht und voluminös, deshalb wird nach Volumen abgerechnet, nicht nach Gewicht. Ein Dachboden ergibt schnell mehrere Kubikmeter, obwohl die Waage kaum ausschlägt. Wer das nicht einplant, wundert sich über die Position im Angebot.
Was das für Ihr Vorhaben heißt
Bei Entkernungen und Dachsanierungen an Gebäuden vor 1996 gehört die KMF-Frage in die Planung. Wir klären sie bei der Besichtigung, weisen den Posten getrennt aus und stellen die passenden Behälter.
Zum Ablauf: Entkernung und Abbrucharbeiten.
Warum nach Volumen abgerechnet wird
Mineralwolle wiegt fast nichts und braucht viel Platz. Ein Dachboden mit 100 Quadratmetern und 20 Zentimetern Dämmung ergibt rund 20 Kubikmeter Material, das zusammengedrückt kaum 300 Kilogramm wiegt.
Deshalb bestimmt bei dieser Fraktion das Volumen den Preis, nicht die Waage. Wer die Menge nach Gewicht schätzt, unterschätzt sie regelmäßig um ein Vielfaches.
Was Sie selbst tun dürfen
An neuer, biolöslicher Mineralwolle dürfen Sie arbeiten. Sinnvoll sind trotzdem langärmelige Kleidung, Handschuhe, Schutzbrille und eine Maske, denn die Fasern reizen Haut und Atemwege auch dann, wenn sie gesundheitlich unbedenklich sind.
Bei altem Material aus der Zeit vor 1996 gilt das nicht. Dort greifen die Vorschriften für Gefahrstoffe, und die Arbeiten gehören in Fachhände. Im Zweifel lassen Sie die Dämmung liegen und fragen nach, bevor Sie einen Sack aufreißen.
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